Schweizer Nationalbank mit Milliardenverlust

 

Gestern habe ich Ihnen hier im Schlussgong“ über den 60. Geburtstag der Deutschen Bundesbank berichtet. Heute möchte ich mich mit einer anderen Notenbank beschäftigen: Mit der Schweizer Nationalbank (kurz: SNB).

Die SNB hat kürzlich gemeldet, dass das Institut für das 2. Quartal des laufenden Jahres einen Verlust in Milliardenhöhe ausweisen muss. Aufgrund von Währungsschwankungen entstand ein Verlust von 5,2 Mrd. Schweizer Franken (CHF). Hinzu kommt ein Verlust in Höhe von 1,9 Mrd. CHF durch eine Abwertung der Goldreserven der SNB.

Insgesamt belief sich das Minus in den Monaten April bis Juni auf 6,7 Mrd. CHF. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum kam die Schweizer Nationalbank noch auf einen Gewinn von 15,6 Mrd. CHF.

Nachdem die SNB im 1. Quartal dieses Jahres aufgrund einer guten Entwicklung an den Aktienmärkten einen Gewinn von 7,9 Mrd. CHF verbuchen konnte, steht aufgrund des hohen Verlustes im 2. Quartal nach Ende des 1. Halbjahres nur noch ein Gewinn von 1,2 Mrd. CHF zu Buche. Im Vorjahreszeitraum belief sich der Gewinn auf 21,3 Mrd. CHF.

 

Ergebnis stark von Währungsschwankungen abhängig

Das Ergebnis der SNB ist traditionell stark von den Schwankungen ihrer milliardenschweren Devisenanlagen (Währungsanlagen) abhängig. Oder anders gesagt: Große Schwankungen zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro oder US-Dollar bedeuten große Ergebnisschwankungen bei der SNB.

Die Devisenanlagen in der Bilanz der SNB schwollen zum Ende des 1. Halbjahres 2017 auf 724,4 Mrd. CHF an (nach 696,1 Mrd. CHF per Ende 2016). 40% der Devisenreserven der SNB sind Anlagen in US-Dollar, 35% werden in Euro gehalten. Auf den japanischen Yen entfallen immerhin noch 8% und auf das britische Pfund 7%. Die restlichen 10% beinhalten u.a. kanadische Dollar.

Aufgrund der für die SNB unter dem Strich ungünstigen Wechselkursentwicklungen verbuchte das Institut aus Währungsverlusten ein Minus von 11,8 Mrd. CHF. Hinzu kamen Kursverluste von 3,6 Mrd. CHF auf Zinspapiere und Zinsinstrumente.

 

Aktien entwickelten sich positiv

Im Gegenzug profitierte die Notenbank mit ihren Unternehmensbeteiligungen (Aktien) vom günstigen Börsenumfeld. Hier steht ein Plus von 9,4 Mrd. CHF zu Buche.

An Zins- und Dividendenerträgen fielen 4,4 bzw. 1,8 Mrd. CHF an. Trotzdem schrumpfte angesichts der hohen Währungsverluste der Erfolg der Fremdwährungspositionen im 1. Halbjahr auf nur noch 111 Mio. CHF nach 13 Mrd. CHF vor Jahresfrist. Die Bilanzsumme der SNB legte von Ende Dezember 2016 bis Ende Juni dieses Jahres um 28,4 auf 774,9 Mrd. CHF zu.

 

Bilanzrisiken nehmen zu

Abschließend lässt sich sagen, dass ein Blick auf die Bilanz der SNB einem eher den Eindruck vermittelt, dass man es mit einem riesigen Hedgefonds zu tun hat als mit einer klassischen Notenbank.

Die SNB versucht zum Teil mit der Brechstange, den Aufwertungsdruck auf die heimische Währung abzufedern. Um das zu schaffen, drückt sie Franken in den Markt und kauft dafür zum Beispiel Anleihen und Aktien aus anderen Währungsregionen. Die Folge: In der Bilanz tummeln sich für dreistellige Milliardenbeträge Wertpapiere, die an sich in der Bilanz einer soliden Notenbank nichts zu suchen haben.

Die Risikopositionen in der Notenbank-Bilanz können im Krisenfall zu einer tickenden Zeitbombe werden. Daher gilt leider: Auch die Schweiz und die Schweizer Währung können im Krisenfall keinen 100%igen Schutz bieten. Der Schweizer Franken ist eine gute Beimischung im persönlichen Vermögens-Mix, aber Wunder dürfen Sie im Krisenfall nicht erwarten.

 

Rolf Morrien

Chefredakteur "Morrien's Schlussgong“ 03.08.17

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